Dienstag, 9. April 2019

Tag Null. 03.04.2019.

19:10 Uhr. Kletterhalle Speicher 1 in Bielefeld. Ein ganz normaler Mittwoch Abend, Vorstiegsklettern im Überhang. Keine wilde Sache. Eine 5+. Also jetzt auch nicht gerade super aufregend. 8. Exe. Ich halte an der Wand inne und denke kurz nach. Das Sturztraining ein paar Routen vorher war nicht so bombe. Ich probier es heute noch mal unangekündigt. Ich sehe hinunter. Ich denke; Oh meine Partnerin hat doch sogar den Halbautomaten zum Sichern verwendet. Ich springe ins Seil. Hatte Sie nicht. Ich hatte Ihr selbst gesagt, nimm den Tube. Wir wollen doch fürs Alpinklettern im Mai in den Alpen üben. Da brauchen wir das auch für. Ich falle. Ich denke: "Oh der geht aber weit heute." - Weiter. "Oh. Der geht aber richtig weit heute. Gleich macht er bestimmt zu." Er macht nicht mehr zu. Scheiße. Schwarz. Es knallt. Ich liege auf dem Boden. Ich schreie ein paar mal richtig laut, so laut wie noch nie. Abartiger Schmerz im Rücken. Ich bin wie gelähmt. Meine Beine spüre ich nur in undefinierten Bereichen. Ich habe das Gefühl mein linkes Schienbein und mein rechter Oberschenkel sind gebrochen. Aber mein Rücken. Er tut so weh. Unfassbar. Ersthelfer sind bei mir. Meine Partnerin schreit. Ich muss in die stabile Seitenlage. So auf dem Rücken ist der Schmerz unerträglich. Okay. Atmen. Tief atmen. Ich kämpfe. Es dauert. Ich sehe dunkel, wie jemand mit dem Notarzt telefoniert. Ich bitte die Ersthelfer meinen Gurt etwas zu öffnen. Sie tun es. Minimale Entlastung trotz abartigem Schmerz. Meine Freundin ist bei mir. Sie sieht mich an. Was Sie sagte, weiß ich nicht mehr. Zuspruch von allen Seiten. "Der Krankenwagen ist jede Minute da. Gleich ist er da." Der RTW ist da. "Sollen wir doch den Hubschrauber holen?" fragt eine Sanitäterin. Ich bin die ganze Zeit bei Bewusstsein. Halskrause anlegen. Wiederwillig. Infusion. Schmerzmittel. Ich sage zu ihr. "Geben Sie mir was gegen die Übelkeit, mir wird schnell übel". Ich bekomme etwas, direkt noch ein Zugang gelegt. Verlagerung auf die Trage. Es dauert gefühlte Ewigkeiten. Dann geht es hoch. Raus. Oh - ebenerdig kommen wir hier raus? Donnerwetter. Im Krankenwagen. Erstmal stehen. Wo fahren wir hin? Bielefeld wie es aussieht. Ich fasel die Rettungssanitäter mit wirrem Zeug voll. Warum das passiert ist, was ich falsch gemacht habe, wie das passieren konnte und so weiter. Voll neben der Spur. Die Kurven. Martinshorn. Autsch. Jede Erschütterung tut weh. Einfahrt im Krankenhaus. An das Ausladen erinnere ich mich nicht mehr. Umladen. Schockraum. Licht über mir. Irgendein riesiger Apparat, der mich durchleuchtet und vermisst. Vermutlich röntgen. Eine Menge Menschen um mich herum. Fragen mich Dinge. Herr Plag, Sie kommen jetzt ins CT. CT. Keine Ahnung was das ist. Computertomographie. Mehr weiß ich aber auch nicht. Igendeine Röhre, relativ klein. Raus. Herr Plag, sie haben eine Verletzung am Rücken. Wir wollen Sie noch im MRT sehen. Das wird eine Weile dauern. Aber alles Frei. Überall komme ich sofort dran. Schmerzen. Diese Schmerzen. Und immer wieder; Umlagern. MRT. Erster Kontrollscan - okay; "Ab jetzt wird es ca. 30min dauern. Es wird sehr laut. Sollen wir Ihnen Musik an machen?" "Ja bitte, sage ich." Es geht los, keine Musik. Nächster Durchgang. Immer noch keine Musik, Kurze Pause. "Wie viel noch? Dauert es noch lange?" Noch ca. 10 Minuten; Musik an. Na endlich. Ganz leise irgendein Jazz. Ich komme raus aus dem MRT. Überwachungsraum. Man sagt mir, ich muss sofort notoperiert werden. Kurze Aufklärung, Fragen. Ein Mann in orangener Softshelljacke. Scheint wichtig zu sein, kam direkt von zu Hause. Herr Plag, ich werde Sie operieren, Ab jetzt wird es bruckstückhaft. Narkoseraum. Gespräche und Telefonate über OP Risiken und Vorerkrankungen mit meinen Eltern um abzuklären, dass da nicht irgendwer etwas an Vorerkrankungen hatte, was ich nicht weiß. Mir fällt ein Bekannter meiner Eltern ein, er arbeitet im gleichen Krankenhaus  und ich will ihn unbedingt erreichen. Ich lasse mir ein Telefon geben und versuche es bestimmt 10 Mal. Ich schaffe es nicht. dafür erreiche ich meinen Chef und versuche ihm von dem Malheur zu berichten. Dazwischen kurzer Kontakt mit meiner Freundin. Narkoseraum. Mir wird ein Zugang gelegt. "Herr Plag, denken Sie an etwas schönes und atmen Sie tief ein. Ich bekomme eine Maske auf. Und bin einfach nur glücklich, als sich mein Bewusstsein im Zuge der eintretenden Vollnarkose verabschiedet.

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